Forschung

Mein linguistisches Interesse hat sich schon immer hauptsächlich auf grammatische Phänomene des Deutschen gerichtet, die sowohl sprachübergreifend, d.h. typologisch, als auch theoretisch von Interesse sind. Das heißt, es stellt für mich eine befriedigende Herausforderung dar, wenn gewonnene Erkenntnisse auf andere Sprachen übertragbar und theoretische Hypothesen in alternativen Theorien formulierbar und damit evaluierbar sind.

Die Hauptquelle meiner Daten war meist meine Muttersprache Deutsch, der theoretische Rahmen war stets eine möglichst unkontroverse und auch für Vertreter anderer linguistischer Schulen verständliche Version der Generativen Grammatik. Da ich verschiedene Sprachen studiert habe und teilweise sehr gut beherrsche, versuche ich ständig, Sprachspezifisches (Deutsches) und Universal-Grammatisches im Zusammenhang zu sehen. Ein Beispiel dafür ist meine Dissertation - hauptsächlich zur Wortstellung im deutschen Mittelfeld. Ausgearbeitet wurde eine Syntax der Linearisierung von Argumenten und Adjunkten aufgrund ihrer Rolle im Diskurs, wobei ebendieses Phänomen, genannt Scrambling, mit verwandten grammatischen Prozessen und Konstruktionen in anderen Sprachen vergleichen wurde: Verbkongruenz, Klitikdopplung, Kasusdifferenzierung, Akzentverschiebungen usw.

Zurzeit liegt das Hauptaugenmerk meiner Arbeit auf der Satzverknüpfung, also bei der Grammatik der Interaktion von Teilsätzen. Hier spielt die Lizenzierung der Verbzweitstellung in den germanischen Sprachen eine ähnliche Rolle wie die der Modussteuerung in den Romania oder das Verhalten von klassischen subordinierenden Konjunktionen  (An- und Abwesenheit; Form etc.) in sehr vielen Sprachen generell.

Meine weiteres großes Interesse gilt der Diskussion um Sprachnorm, dem öffentlichen Diskurs um Sprache, Grammatikschreibung und Linguistik. Seit der Leipziger Buchmesse 2008 ist mein Band "Sick of Sick? - Ein Streifzug durch die Sprache als Antwort auf den Zwiebelfisch" auf dem Markt. In dem Buch geht es um eine sprachwissenschaftlich fundierte, aber unterhaltsame und populärwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Aussagen der populären, öffentlichen Sprachkritik. Dieses Projekt, das auch in den Medien diskutiert wird, hat mich an die noch intensivere Auseinandersetzung mit Fragen der Normdiskussion, Standardisierung, Sprachbewusstsein und die breit angelegte Vermittlung all dessen geführt. Zahlreiche Arbeiten und Vorträge sind daraus erwachsen und entstehen weiter.