Der Berliner Interdisziplinäre Verbund für Mehrsprachigkeit (BIVEM) bringt auf Spracherwerb spezialisierte Wissenschaftler mit Experten aus Erziehungs- und Diagnosebereichen zusammen. Die Kooperation ermöglicht es, gemeinsam erarbeitete Forschungsergebnisse in konkrete Fördermaßnahmen im Vor- und Grundschulbereich umzusetzen. Der Verbund wurde vom Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS) Berlin initiiert und mit Unterstützung des Berliner Senats ins Leben gerufen.
Hintergrund des Projekts ist der hohe Migrationsanteil von 40 % der Kinder und Jugendlichen in Berlin. Bei etwa einem Drittel dieser Kinder gibt es Verzögerungen in der Sprachentwicklung im Deutschen, die zu schulischen Schwierigkeiten führen können. Die Bildungschancen von Kindern hängen also wesentlich von ihren sprachlichen Fähigkeiten ab.
Die Komplexität des bilingualen Spracherwerbs wird meist unterschätzt und seine Chancen werden gewöhnlich nicht erkannt. Oft können die Eltern eine entsprechende Sprachförderung selbst nicht leisten. Aber auch die Verlagerung des Problems in die Kinderbetreuungseinrichtungen oder in medizinisch-therapeutische Maßnahmen ist allein keine ausreichende Lösung. Auf der anderen Seite finden die Ergebnisse sprachwissenschaftlicher Untersuchungen zum bilingualen Spracherwerb bisher zu wenig Eingang in die Praxis. Neue Konzepte und Methoden zur Sprachförderung bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern, die Theorie und Praxis verbinden, sind daher dringend notwendig, denn eine zentrale Steuerung von praktischen und theoretischen Ansätzen bündelt Ressourcen und ermöglicht eine effiziente Förderung.

Land Berlin
01.10.2011-30.09.2014
Prof. Dr. Manfred Krifka & PD Dr. Natalia Gagarina