17 Das Albanische

Dalina Kallulli

Auszüge

 

Einleitendes zur Geschichte Albaniens

[Albanien] war Teil des Römischen Reiches, seine Sprache erhielt sich aber trotz der Besetzung durch die Römer. Nach dem Mittelalter bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg war es unter türkischer (osmanischer) Herrschaft, weshalb das Albanische heute zahlreiche türkische Lehnwörter hat. Durch Kontakt mit den Nachbarländern weist es auch viele Lehnwörter aus den anderen Balkansprachen auf. (...)

Nach dem Ersten Weltkrieg gab es politische Wirren, die damit endeten, dass Albanien ein autoritär regiertes Königreich wurde. Im Zweiten Weltkrieg war es von Italien und dann von Deutschland besetzt. Danach wurde Albanien kommunistisch, lehnte sich dabei zunächst an Titos Jugoslawien an, dann an die Sowjetunion und später an China. Seit Beginn der 1990er Jahre ist es eine Demokratie. Im Jahr 2009 trat Albanien der NATO bei und beantragte nach längeren Vorgesprächen die Aufnahme in die Europäische Union. Zur Zeit der Verfassung dieses Buches (2013) ist Albanien ein potenzieller Beitrittskandidat, eine Vorstufe der Beitrittskandidaten.

Albanien hat eine Tradition der Toleranz der Religionen untereinander, die sich auch in zahlreichen interreligiösen Ehen niederschlug. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren etwa 70 Prozent der Bevölkerung Muslime (aus osmanischer Zeit) und 30 Prozent Christen. 1967 wurde Albanien mit einem kompletten Religionsverbot unter der kommunistischen Regierung das erste atheistische Land überhaupt. Seit 1990 gibt es wieder Religionsfreiheit. Die Feiertage umfassen heute das islamische Opferfest und das Ende des Ramadan ebenso wie das christliche Ostern und Weihnachten.

Albanien, Land der AdlerFlagge von Albanien

Albanien wird von seinen Bewohnern mit dem Namen Shqipëri bezeichnet. Dieses Wort hört sich für uns so ähnlich an, wie wenn man im Deutschen schtschiperi mit Betonung auf der letzten Silbe sagen würde. Es wird gemeinhin als „Land der Adler“ interpretiert. Der Adler, der auch als Emblem auf der albanischen Nationalflagge zu sehen ist, heißt auf Albanisch shqiponjë oder shqipe. Die Sprache wird shqip (oder gjuha shqipe) genannt. Die Flagge hat im Original einen roten Hintergrund.


rroba und llampë

Das Albanische hat Wörter, die am Anfang mit doppeltem r und mit doppeltem l geschrieben werden! Das liegt daran, dass es zwei r und zwei l im Lautsystem gibt. Jeweils eines wird einfach geschrieben, das andere doppelt. Das r in ruaj ,ich bewache‘ wird mit einem einfachen Schlag der Zungenspitze ausgesprochen. Das r in rruaj ,ich rasiere‘ ist ein rollendes r. Das ll in llampë ,Lampe‘ wird dunkel ausgesprochen, eine Art l mit Klangeinfärbung eines a. (...)

[Hier zeigen wie Ihnen noch die dazugehörige Tabelle:]

Konsonanten, die man anderweitig kennen könnte


Was steckt hinter ë ?

[Das] ë [steht] für einen Vokallaut [ǝ], „Schwa“ genannt, der in der Aussprache auch im Deutschen existiert. In der deutschen Schrift wird er aber zusammen mit anderen e-Lauten als e wiedergegeben, wie in Kanne, oder dreimal in gewogene. Im Albanischen kann dieser Vokal auch betont sein, im Deutschen nicht.
Die Aussprache des betonten ë gibt oft Aufschluss über die geografische Herkunft des Sprechers. Sie kann von einem nasalierten, o-ähnlichen Vokal (wie im französischen Wort bon) in den ghegischsprechenden Gegenden bis zu einem a-ähnlichen Vokal (wie im englischen pat) in einigen südöstlichen toskischsprechenden Regionen reichen. Der Vergleich mit dem deutschen Schwa in Kanne im vorherigen Absatz bezieht sich auf das Standardalbanische.


Der Optativ und der Admirativ im Albanischen

Albanisch verfügt über eine Verbform [Optativ], mit der ein Wunsch ausgedrückt wird:

puno-fsha ,ich möge arbeiten‘
puno-fsh ,du mögest arbeiten‘
puno-ftë ,er/sie möge arbeiten‘

[Der Admirativ ist] eine Flexionsform, mit der ein Sprecher Erstaunen oder Zweifel ausdrücken kann:

punua-ka
,er arbeitet?!‘
(im Sinne von: Arbeitet er etwa?) Präsens
punua-kësh ,er arbeitete?!‘ Imperfekt
pas-ka punuar ,er hat gearbeitet?!‘ Perfekt

 

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