5 Das Englische

Sophie Repp

Auszüge

 

Sprecher und Sprachsituation heute

Ein wichtiges Kennzeichen des heutigen Englisch ist, dass es keinen regional neutralen und angesehenen Standard gibt, der weltweit als Hochsprache anerkannt wäre. Englisch verfügt vielmehr über mehrere Varietäten und ist daher eine sogenannte plurizentrische Sprache.

Standardvarietäten für das Englische

  • britisch-irisches Englisch
  • allgemeines amerikanisches Englisch
  • ostasiatisches Englisch (z. B. Hongkong, Singapur, Malaysia)
  • südasiatisches Englisch (z. B. Indien, Pakistan, Bangladesch)
  • afrikanisches Englisch
  • karibisches Englisch (z. B. Jamaika, Trinidad)
  • kanadisches Englisch
  • australisches/neuseeländisches/südpazifisches Englisch

In Sprachkursen wird oft südbritisches Englisch unterrichtet, das auch Received Pronounciation heißt und von vielen Engländern als the Queen’s English (‚das Englisch der Königin‘), Oxford English oder BBC English bezeichnet wird. Aber auch das sogenannte General American (allgemeines amerikanisches Englisch) ist eine prominente Varietät. Es kommt dem Englisch am nächsten, das im mittleren Westen der USA gesprochen wird.


Englische Schreibung – nur Chaos?

Trotz aller Unregelmäßigkeiten gibt es aber auch Regelmäßigkeiten, die [...] teilweise historisch motiviert sind und die englische Kinder in der Schule als Regeln lernen. Beispielsweise kann man sich merken, dass die Buchstaben in drei- bis vierbuchstabigen Wörtern mit kurzen Vokalen so gesprochen werden, wie man sie schreibt. Man kann nun an solche kurzen Wörter oft ein stummes e anfügen – das sogenannte magische e –, welches ein altes Längenzeichen für den vorhergehenden Vokal ist, und die Vokalqualität ändert sich regelhaft, nämlich wie bei der Vokalverschiebung [im 15. und 16. Jahrhundert]. Aus can ‚können‘ mit [æ] wird cane ‚Spazierstock‘ mit [eɪ], aus pin ‚Nadel‘ mit [ɪ] wird pine ‚Kiefer‘ mit [aɪ]. Englische Kinder lernen, dass das magische e den Vokal seinen Namen sagen lässt.


Wortbedeutung – falsche Freunde

Es gibt im Englischen viele Wörter, die deutschen Wörtern sehr ähnlich sind, aber teilweise ganz andere Bedeutungen haben als das jeweilige englische Original. Man bezeichnet solche Wortpaare auch als „falsche Freunde“ (false friends). Andere vermeintlich englische Wörter im Deutschen gibt es im Englischen gar nicht, oder sie haben eine vollkommen andere Bedeutung. gift – schön im Englischen, nicht so schön im Deutschen

Vermeintlich englische Wörter im Deutschen

Deutsch Bedeutung auf Englisch „richtiges Englisch“
Barkeeper    bar man, bar tender
Beamer ‚BMWʻ (das Auto)  projector
Box ‚Schachtelʻ (loud)speaker
City ‚Großstadtʻ town center, city centre
Evergreen ‚immergrünʻ old musical standard
Handy ‚praktischʻ mobile phone
Hometrainer exercise bike

Wortbildung

Verblüffend für Englischlerner ist die Leichtigkeit, mit der viele englische Wörter in unterschiedlichen Wortklassen benutzt werden können. So kann man vom Verb to swim ‚schwimmen‘ das Nomen a swim (in etwa ‚Schwimmereignis‘) bilden. Man kann also sagen I went for a swim (wörtlich: ‚Ich ging für ein Schwimmen‘, was so viel bedeutet wie ‚Ich war schwimmen‘). Diese Art der Wortbildung heißt Konversion. Es gibt sie auch im Deutschen. Zum Beispiel gibt es Verbnominalisierungen wie bei das Lachen. Auch Farbadjektive können leicht nominalisiert werden: das Blau des Himmels. Meist kommt jedoch durch die Flexion eine formale Änderung am Wort hinzu (z. B. Öl – ölen, treffen – Treff, gut – das Gute). Einige englische Versionen sind unten aufgelistet. Man sieht hier auch, dass oftmals nur bestimmte Bedeutungsbestandteile in das neu kreierte Wort übernommen werden.

Konversion von Nomen zu Verb
film (Film – filmen)
pocket (Tasche – einstecken)
house (Haus – beherbergen)
talk (Gespräch – reden)

ship (Schiff – schicken)
fool (Narr – veralbern)
bottle (Flasche – in eine Flasche einfüllen)
name (Name – benennen)

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