Forschung

Am ZAS werden zentrale Aspekte der menschlichen Sprachfähigkeit in derzeit vier Forschungsbereichen untersucht: Laborphonologie (FB I), Sprachentwicklung und Mehrsprachigkeit (FB II), Syntax und Lexikon (FB III) und Semantik und Pragmatik (FB IV). Ein fünfter Forschungsbereich zu Sprachdokumentation und –archivierung (FB V) ist geplant. Die Forschungsbereiche arbeiten bereichsübergreifend mit einem theoretischen oder anwendungsbezogenen Fokus (dies gilt z.B. für den bilingualen Spracherwerb). Den aktuell vier Forschungsbereichen sind die fünf Programmbereiche (PBs) des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Kernprogramms Einbettung, Verknüpfung und Konstituentengrenzen in Sprechsprache, Grammatik und Diskurs sowie die vom ZAS eingeworbenen Drittmittelprojekte thematisch zugeordnet.

Das 2008 begonnene BMBF-Kernprogramm mit einer Laufzeit bis 2019 untersucht die beiden elementaren sprachlichen Operationen der Neben- und Unterordnung, die zu komplexen Ausdrücken führen, wobei besondere Aufmerksamkeit den dabei entstehenden Grenzen gilt. In der Phonetik/Phonologie (PB1) werden die artikulatorischen und prosodischen Eigenschaften an den Konstituentengrenzen untersucht, sowie die Alignierung von sprachlichen Strukturen mit biologischen Vorgängen wie der Atmung, Gestik und Bewegung. In der Spracherwerbsforschung (PB2) geht es um das Erlernen von sprachlichen Mitteln für narrative und andere Textformen im Erstspracherwerb und bei bilingual aufwachsenden Kindern zudem im Zweitspracherwerb. Der lexikalisch-syntaktische Bereich (PB3) widmet sich der Beziehung zwischen den lexikalischen Forderungen satzeinbettender Prädikate und den in den untersuchten Sprachen auftretenden syntaktischen Subordinationsstrukturen. Der Bereich Syntax (PB4) analysiert die unterschiedlichen Grade der Integration von Nebensätzen in Haupt­sätze, die Struktur der Satzränder sowie die Auswirkungen der unterschiedlichen Satzverknüpfungen auf die prosodische Realisierung. Die Semantik und Pragmatik (PB6) erforscht das Zusammenwirken von Regeln der sprachlichen Bedeutung und des Gebrauchs von sprachlichen Äußerungen insbesondere bei Einbettungen und bei Diskursbezug, untersucht dieses Zusammenwirken mithilfe psycholinguistischer Methoden und modelliert es mit Mitteln der formalen Semantik und Spieltheorie.

Das BMBF-Kernprogramm wurde und wird von eingeworbenen Drittmittelprojekten ergänzt, welche durch die DFG, die VolkswagenStiftung, die Europäische Kommission, den Senat von Berlin und andere Einrichtungen gefördert werden. Viele dieser Projekte lassen sich einem der folgenden Schwerpunkte zuordnen:
1. Untersuchungen des Spracherwerbs, vor allem des Erlernens von Deutsch als Zweitsprache im Vor- und Grundschulalter. Hierzu werden für mehrsprachige Kinder bezüglich ihrer verschiedenen Sprachen Testverfahren zur Sprachstandmessung und zur Identifikation von Sprachstörungen entwickelt. 2. Untersuchungen der Interpretation und Verwendung von sprachlichen Ausdrücken mit experimentellen Methoden, zum Teil mit dem Ziel von technischen Anwendungen. 3. Dokumentation kleinerer und wenig bekannter Sprachen in Afrika, Südamerika und Ozeanien, zum Teil mit neuartigen Methoden.