Sprachentwicklung & Mehrsprachigkeit (FB II)

Der Forschungsbereich "Sprachentwicklung und Mehrsprachigkeit" (FB II) untersucht die Entwicklung der sprachlichen Kompetenz vom Satz zum Text bei verschiedenen Sprechergruppen. Im Zentrum stehen der Spracherwerb von ein- und mehrsprachig aufwachsenden Kindern im Vor- und Grundschulalter, der frühe ungesteuerte und gesteuerte Zweitspracherwerb sowie ausgewählte Sprachentwicklungsprozesse über die gesamte Lebensspanne.

Anhand empirischer natürlicher und experimenteller Daten werden allgemeine Entwicklungsverläufe in der Herausbildung und Aufrechterhaltung der Kommunikationsfähigkeit, insbesondere der narrativen Erzählfähigkeit, und der gesellschaftlichen Kommunikationsteilnahme erfasst und der Einfluss individueller Lebensumstände wie Bildung, berufliche und außerberufliche Tätigkeiten, soziales Umfeld und Alter ermittelt. Damit sollen individuelle Unterschiede in der Sprachkompetenz besser verstehbar und erklärbar werden. Im Fokus stehen zunächst Entwicklungsprozesse bei Mehrsprachigkeit. Wir untersuchen hier sowohl normale Erwerbsverläufe als auch Indikatoren und Merkmale davon abweichender Erwerbsverläufe bei Kindern und Jugendlichen. Perspektivisch werden Sprachentwicklung bzw. Sprachabbau bei Sprechern ab ca. 50 Jahren und die Entwicklung der Argumentationsfähigkeit als Untersuchungsschwerpunkte hinzukommen.

Die Forschungsergebnisse werden dazu genutzt, validierte Sprachstandserhebungen, Instrumente für die Diagnose und Therapie von Sprachentwicklungsstörungen sowie Methoden zur Unterstützung des Deutscherwerbs zu erarbeiten, die die muttersprachlichen Kenntnisse der Sprecher berücksichtigen. Mit der Ausdehnung der Forschungen auf ältere Sprechergruppen werden wir unsere Ergebnisse und Erfahrungen dafür nutzen, Sprachstandstests und Sprachförderprogramme zu erarbeiten, die zur Verlangsamung von unerwünschten Veränderungen der Sprachkompetenz über die Lebenszeit wie z.B. Sprachabbauprozessen bei älteren Menschen beitragen.