Forschungsthemen

Vagheit wird seit alters her mit eher haarspalterischen Fragen illustriert der Art: Ab wie vielen Sandkörnern kann man von einem Sandhaufen sprechen? Und ab wie wenigen Haaren von einer Glatze? Tatsächlich trifft man Vagheit überall in der menschlichen Sprache an; ohne sie wäre Kommunikation kaum möglich. Sogar scheinbar präzise Ausdrücke wie Zahlwörter werden oft approximativ verwendet wenn man etwa sagt, dass Berlin 3,4 Millionen Einwohner hat. Wir können dies durch die Verwendung von mehr oder weniger genauen Skalen variieren und deren Granularität durch Wörter wie etwa oder ziemlich genau anzeigen, ganz vermeiden lässt sich damit die scheinbare Ungenauigkeit jedoch nicht. Oder wie lang kann ein Metallstab wirklich sein, der exakt 10 cm lang ist?

Oft wird Vagheit als ein grundlegendes Problem der menschlichen Sprache angesehen. Das VAAG-Projekt kehrt den Spieß um und geht von der Tatsache aus, dass Vagheit eine bedeutende Rolle in der sprachlichen Kommunikation spielt. Unser Fokus liegt nicht darin der formalen Repräsentation von Vagheit die eine oder andere Nuance hinzuzufügen, sondern zu fragen, aus welchem Grund und zu welchem Zweck es Vagheit überhaupt gibt und wie sie im Satz- und Diskurszusammenhang modifiziert werden kann. Das Projekt zielt also auf eine breite, interdisziplinäre Neubewertung des Phänomens der Vagheit in der Sprache, wozu die Sprachwissenschaft, die Kognitionswissenschaft, die experimentelle Psychologie und die Informatik beitragen. Das übergreifende Ziel des Projekts ist es, eine integrierte Theorie der Vagheit, Approximation und Granularität zu entwickeln, die quer über die verschiedenen Disziplinen relevant ist und die auch die Rolle von vagen Ausdrücken und ihren Präzisierungen in Bereichen wie der Geographie oder der Rechtswissenschaft klären helfen will.

Das Projekt VAAG ist ein europäisches Kooperationsprojekt, das von der ESF im Rahmen des EuroCORES-Programms LogICCC bewilligt wurde. Die Partnerprojekte von VAAG sitzen in Amsterdam, Lund, Zagreb und Edinburgh. Das ZAS koordiniert die Arbeit dieser Projekte. VAAG zeichnet sich durch eine große Methodenvielfalt aus; neben klassischen semantischen und pragmatischen Ansätzen sind dies die Spieltheorie, die Kognitionstheorie und die experimentelle Psycholinguistik, einschließlich behavioraler und neurophysiologischer Untersuchungen.

 

 

 

 

 





Förderung

ESF / DFG, EuroCORES Programme, LogiCCC

Förderzeitraum

01.01.2009 - 31.12.2011

Leitung

Prof. Dr. Manfred Krifka & PD Dr. Uli Sauerland