Das ZAS im Fernsehen und Radio

Wie schnell kann ein Mensch sprechen?

Dr. Georg Winter im Phonetiklabor

2009 drehte ein Fernsehteam des MDR einen Beitrag über den Hamburger Schnellsprecher Dr. Georg Winter. Seine Fähigkeit, Sätze mit rasanter Geschwindigkeit zu artikulieren, wurde im Phonetiklabor des ZAS wissenschaftlich untersucht. Dazu klebten ihm die Forscher auf Zunge und Lippen mehrere Sensoren und schlossen diese an einen elektromagnetischen Artikulografen an, der die Bewegungen bei der Lautartikulation misst. Anschließend las Dr. Winter verschiedene Texte in unterschiedlichen Geschwindigkeiten ab.

Über die Ergebnisse staunten die ZAS-Mitarbeiter Jörg Dreyer, Melanie Weirich und Susanne Fuchs: „Man sieht, dass die Artikulation seiner Lippen, des Unterkiefers und der Zunge extrem groß ist. So einen hohen Wert haben wir noch nie gesehen – doppelt so viel wie normal.“ Normal ist eine Höchstgeschwindigkeit der Zunge von maximal 25 Zentimetern pro Sekunde. Bei Dr. Winter liegt sie im Bereich von bis zu 60 Zentimetern pro Sekunde. Dabei hatte er als Kind Schwierigkeiten bei der deutlichen Aussprache von Wörtern. Doch jahrelanges Artikulationstraining hat ihm nicht nur geholfen, sondern schon so manchen Schnellsprecher-Wettbewerb gewinnen lassen.

 

Was hinter Schimpfwörtern in der Jugendsprache steckt

Dr. Stefanie Jannedy

2009 produzierte der Bayerische Rundfunk in der Hörfunkreihe „Orange“ einen Radiobeitrag über Jugendsprache, bei der Dr. Stefanie Jannedy, Linguistin am ZAS, als Expertin interviewt wurde. Ausdrücke wie „Du kleiner Hurensohn! Du blöder Wichser!“ auf dem Bolzplatz zu hören, ist heutzutage nichts Außergewöhnliches mehr. Jannedy untersucht schon seit Jahren die Jugendsprache und weiß um deren Bedeutung: „Es handelt sich in diesem Fall um so genannte ritualisierte Beleidigungen. Das gibt es auch in anderen Sprachen und ist keine Besonderheit des Deutschen. Aber man darf es nur benutzen, wenn man jemanden gut kennt; dann darf man ihn auch beleidigen, ohne das es als Beleidigung aufgefasst wird.“ Mit Eltern, Lehrern und Vorgesetzten würden die Kinder nicht so reden, sagen sie selbst, nur unter ihresgleichen. In der Sprachwissenschaft heißt das „Code-Switching“: der Wechsel von verschiedenen, teilweise auch drastischen Sprachstilen, je nach Umgebung.

Bisher hatte noch jede Generation ihre eigene Sprache, die sich mit bestimmten Ausdrücken von der der Erwachsenen abgrenzt. Und wer der heutigen Jugend unterstellt, keinen grammatisch korrekten Satz mehr bilden zu können, den erinnert Stefanie Jannedy an die holprigen Formulierungen Edmund Stoibers zum Transrapid-Projekt in München.

Wenn die Sprechwerkzeuge versagen

Sensoren messen die Zungenbewegungen

„Phonetik – Das Geheimnis des Sprechens“ war 2003 der Titel eines Fernsehbeitrags im SFB-Wissenschaftsmagazins „Einsteins Erben“. Vorgestellt wurde der damals 35-jährige Berliner Mathias L., dem nach einer Krebsoperation fast zwei Drittel seiner Zunge amputiert werden mussten. Trotzdem kann er wieder verständlich sprechen. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst der Grundlagenforschung am ZAS. Der Film zeigt die hier fortlaufend durchgeführten Messungen von Zungenbewegungen beim Sprechen. Die Ergebnisse sollen, so erläutert Prof. Bernd Pompino-Marschall, einmal zur Entwicklung des Computermodells eines sprechenden Kopfes beitragen.

Außerdem untersuchte eine damals durchgeführte Studie in Zusammenarbeit mit Chirurgen am Universitätsklinikum Benjamin Franklin die Auswirkungen operativer Eingriffe an der Zunge auf die Lauterzeugung. Die Sprechfähigkeit vor und nach der Operation wurde getestet, um herauszufinden, wie man die Gewebeentnahme und Ergänzung durch Implantate künftig optimieren kann. Auch Mathias L. hat teilgenommen und davon profitiert: Ihm schenkte der Erhalt seiner Sprechfähigkeit neuen Lebensmut.

 

Was die Zunge beim Sprechen leistet

Jörg Dreyer testet den Artikulografen

1995 drehte die Deutsche Welle einen Fernsehbeitrag im Phonetiklabor des ZAS über den Fortschritt in den Untersuchungsmethoden. Schon seit Jahrhunderten machen sich Menschen Vorstellungen davon, wie die Lautproduktion beim Sprechen funktionieren könnte. Erste Aufnahmen der Sprechwerkzeuge mit Röntgenstrahlen in den 1930er Jahren erwiesen sich auf die Dauer als nicht geeignet. Daher behalfen sich die Forscher seitdem mit Modellen, um die Zungenbewegungen beim Sprechen einzelner Laute und Wörter zu studieren.

Erst seit einigen Jahren gibt es technische Möglichkeiten für eine genaue naturwissenschaftliche Erforschung. Dabei nutzen die Phonetiker ein medizinisches Diagnoseinstrument, das ursprünglich für die Beobachtung von Schluckbewegungen entwickelt wurde. Das Gerät ermöglicht es, mithilfe von Magneten während des Sprechens die Lageveränderungen von auf der Zunge angebrachten Sensoren exakt nachzuvollziehen – und das 400 mal pro Sekunde. Das Ziel der Wissenschaftler ist, die Zungenbewegungen so genau zu erfassen, dass sie in einem Computermodell künstlich nachgestellt werden können. Ein solches dreidimensionales Modell der Artikulation könnte irgendwann sowohl in der Sprachtherapie als auch beim Fremdsprachenerwerb überaus hilfreich sein.